Das Gymnasium

„Im Namen muss in jedem Fall der Charakter der Schule zum Ausdruck kommen.“
(Gunter Brandt, Amtsleiter für Schulverwaltungsfragen, im Januar 1992 auf einer Sitzung des Schul- und Kulturausschusses des Kreistages NDH; Schwerpunkt: Schulnamen)

Mit dem Entschluss, der im Jahre 1990 gegründeten EOS II den Namen Johann Gottfried Herder zu verleihen, entschied man sich bewusst dazu, das Wirken und Schaffen des bedeutenden deutschen Literaturtheoretikers, übersetzenden Nachdichters, (Geschichts)Philosophen, Theologen, Ästhetikers und Anthropologen zu würdigen. Er gilt als der große Anreger der deutschen Geistesgeschichte, dessen theoretische Schriften mehr als seine poetischen den „Sturm und Drang“ einleiteten und prägten, die Klassik vorbereiteten und noch der Romantik und der idealistischen Geschichtsauffassung des 19. Jahrhunderts Impulse gaben. 
Herders vielfältigen Leistungen, seine Wertvorstellungen, sein unmittelbarer Wirkungskreis Weimar (ab 1776) sowie die sprachlich orientierte Ausrichtung der Schule prädestinierten gerade diese Person.

Herders humanistisches Ziel der (bürgerlichen) Persönlichkeitsbildung, das er sich und seiner Zeit gestellt hatte, stieß vielerorts auf gesellschafts-politische, historisch bedingte Grenzen. Unbeirrt, wenn zeitweise auch enttäuscht und bitter, versuchte er seine Ideale durchzusetzen. Einsam, missverstanden und kränkelnd lebte er die letzten Jahre in Weimar sehr zurückgezogen. Sein praktisch-politisches wie philosophisch-publizistisches Engagement ließen ihn in einem Herzogtum wie „das seine“ als Revolutionär erscheinen.

„Ich freute mich auf diese Gegend wie ein Kind ... bin aber sehr betrogen. Ewige Vormundschaften, schwache Tyrannen- und Weiberregierungen haben alles so hinsinken lassen, durcheinandergemengt und –geworfen, daß alles weicht, wonach man fasset: Kirchen und Kirchengebäude verfallen, ... schlechte Prediger- und Schuldienerstellen und Subjekte, die ihren Stellen oft gleich sind ...“
(Aus Herders Antrittspredikt am 20. Oktober 1776 in Weimar)

Energisch wandte er sich gegen die Tendenz anderer Philosophen, den Menschen in verschiedene Vermögen (Fähigkeiten) aufzuspalten. Ihm ging es um die Selbstentfaltung, zu der alle menschlichen Tätigkeiten als Einheit gehören. Für Herder war der grundlegende Ausdruck des Menschen seine Sprache, und deren reinster Ausdruck wiederum stellte die Literatur dar.

Mühselig erkämpfte er auch Verbesserungen im Schulwesen.

Sein Geschichtsverständnis verband Fortschritt und die individuelle Entwicklung sowie den damit verbundenen Eigenwert jeder Einzelkultur. Herder legte besonderes Gewicht auf die Verschiedenheit zwischen den einzelnen Kulturen und Epochen. Für ihn besitzt jedes Volk seinen besonderen Geist. 
Diese Grundhaltung leitete auch seine literarische Tätigkeit. J.G. Herder war es, der sich in jener Zeit besonders um die Literatur anderer Länder bemühte, sie sammelte, übersetzte und das Verständnis für sie weckte. Indem er die Volkspoesie über die 
nationalen Grenzen hinaus würdigte, wird er heute noch als ein Symbol der Weltoffenheit angesehen.

Die Entwicklung der menschlichen Verhältnisse stellte Herder nachweislich (Untersuchungen über Natur und Geschichte, Kunst, Wissenschaft, Religion) als einen Entwicklungsprozess dar, der naturgesetzlichen Charakter trägt.

„Der Nationalruhm ist ein täuschender Verführer. 
Zuerst lockt er und muntert auf; 
hat er eine gewisse Höhe erreicht,
so umklammert er den Kopf mit einer ehernen Binde. 
Der Umschlossene steht im Nebel
nichts als ein eigenes Bild
keiner fremden neuen Eindrücke mehr fähig.
Behüte der Himmel uns vor solchem Nationalruhm...“

(Aus den „Briefen zur Beförderung der Humanität“. 13. Brief)

J. G. Herders fortschrittliches Denken und Handeln vor dem historischen Hintergrund trägt auch im modernen 20./21. Jahrhundert Vorbildcharakter. Selbständiges und kritisches Denken zu schulen, die Individualität der Schüler zu fördern, humanistische u.a. Werte zu vermitteln und zum humanistischen Handeln zu erziehen ... das sind wesentliche Maxime, denen die Herder-Schule neben ihren grundlegenden Bildungsauftrag zu jeder Zeit nacheifert. 
Herders vielseitiges Lebenswerk soll auch weiterhin Schüler und Lehrer gleichermaßen anspornen und zu eigenen Leistungen bewegen.

Im Schuljahr 1994/95 wurde der 250. Geburtstag des Namensgebers gebührend begangen. Zahlreiche Veranstaltungen in den einzelnen Klassen und Kursen sowie die Teilnahme an den zentralen Feierlichkeiten in Weimar seien dabei nur kurz erwähnt.