Gebäude und technische Denkmäler lassen alte Sprache lebendig werden

Lateinexkursion der neunten Klassen des Herder-Gymnasiums nach Trier

Von wegen, Latein ist eine tote Sprache. Das sehen die Schüler, die sich bei der Anwahl für diese Sprache entscheiden – und das ist jedes Jahr eine beachtliche Anzahl – nicht so. Und das mit Recht. Im Rahmen einer Fachexkursion für Lateinschüler der Klassenstufe neun erhielten nun Lernende die Möglichkeit, über den im Unterricht gesetzten Rahmen hinaus, in die Lebenswelt der Römer einzutauchen und ihre sprachlichen Kenntnisse der vergangenen vier Jahre anzuwenden. 

Die drei Tage der Exkursion waren mehr als der im Lehrplan auch geforderte Unterricht am anderen Ort. Sie boten einen direkten Einblick in vielfältige Lebensbereiche der Römer, in Spuren, die diese beim Ausbau ihres Imperiums in antiker Zeit bis heute zahlreich in Trier hinterlassen haben. Ob Römerbrücke, Barbarathermen oder Gebäude – die Bautechnik der Römer beeindruckte die Schüler sehr. Und nicht nur die männlichen Teilnehmer schienen von der militärischen Kleidung sowie einer Erlebnisführung in der Porta Nigra überwältigt. Doch das alltägliche Leben der Zeitgenossen umfasste viel mehr und auch das galt es zu erfahren: Wie wurde die Körperpflege betrieben und wo wurden Sozialkontakte hergestellt? Inschriften im Landesmuseum eröffneten typische Rituale, vor allem bzgl. der Bestattung, während die Basilika des Konstantin über Repräsentation und das Amphitheater über Freizeitvergnügen Auskunft gaben. Mehrere Villen beeindruckten mit Fußbodenmosaik, zu denen man sich die Technik der Erstellung erklären ließ. Einsicht gab es auch in das heroische, aber auch gefährliche Leben der Gladiatoren.

Die Exkursionsteilnehmer vor der Porta Nigra

Unzählige Aktivitäten verknüpften nicht nur Theorie und Praxis, sondern schulten das Bewusstsein für die historische Zeit sowie die Menschen, für die die römische Kultur zur Lebenswelt gehörte. So stellten Schülerteams einzelne Römerstätten vor und erwiesen sich in der Gruppe als fachkundige Stadtführer. Des Weiteren vertieften sie sich in Museen eigenständig in Ausstellungsbereiche und Exponate, legten römische Kleidung und militärische Ausrüstung an und beteiligten sich rege an einer schauspielerischen Darbietung in der Porta Nigra. 

Im Amphitheater Trier - hier erhielten die jungen Leute einen Einblick in das Freizeitvergnügen der Römer.

Sabine Walther und Uwe Lumm, Fachlehrer Latein am Herder-Gymnasium und Organisatoren der Exkursion, sind sich mit ihren Schülern einig: Diese Fahrt hat das Verständnis für die Kultur und Sprache der Römer vertieft und den Blick aller Teilnehmer dafür geschärft, dass es sich lohnt, sich intensiv mit Relikten der Vergangenheit zu beschäftigen, denn sie geben mehr Auskunft, als der erste Eindruck zu vermitteln mag. In der Gewissheit, dass diese Fahrt nachhaltig Einsichten vermitteln konnte, werden sich die beiden Lehrkräfte dafür einsetzen, dass auch die folgende Jahrgangsstufe die Möglichkeit erhält, ein umfangreiches und anspruchsvolles Programm in einer ehemaligen Römerstadt zu absolvieren.

[Heike Roeder, Öffentlichkeitsarbeit am Herder-Gymnasium]