Christine und Frido Mann am 26. April zu Gast bei Herder liest

Mit den Manns über die Welt diskutieren – Lesung im Herder-Gymnasium

--> Flyer Einladung zur Lesung

Als Frido Mann 2008 das erste Mal bei Herder liest zu Gast war und seine Autobiographie „Achterbahn“ vorstellte, begleitet ihn seine Frau Christine und erwies sich für den jahrelang nach dem eigenen Weg suchenden Enkel von Thomas Mann als wichtige Stütze. Dieses Mal wird sie sich nicht im Hintergrund aufhalten, sondern mit ihrem Fridolin auf der Bühne sitzen. Warum? Sie haben gemeinsam ein Buch geschrieben, das Anfang des Monats in den Buchhandlungen erschien. Der metaphorische Titel „Es werde Licht“  verheißt vieles und verrät doch nichts. Worüber schreibt man gemeinsam, wenn doch jeder eigentlich seine Themenbereiche im eigenen beruflichen Kosmos abgesteckt hat?   

Fridolin Mann, 1940 im kalifornischen Exil (Monterey) als erstes Kind von Michael und Gret Mann geboren, schloss erfolgreich ein Musikstudium ab,  fand dann aber eine neue geistige Heimat in der katholischen Theologie und promovierte. Es folgten ein Studium der Psychologie sowie viele Jahre als Klinischer Psychologe sowie Privatdozent in Münster, Leipzig, Prag. Mitte der achtziger Jahre wendet sich Frido Mann der literarischen Tätigkeit zu. Im Zuge seiner Recherchen zur Herkunftsfamilie seiner Urgroßmutter wird er zum deutsch-brasilianischen Kulturbotschafter. Der freie Schriftsteller verarbeitet in seinen Romanen Erfahrungen aus seiner Tätigkeit als Psychologe, Theologe und Mitglied der Mann-Familie, so in Professor Parsifal (1985) oder Hexenkinder (2007).  
Kann man da als Gattin überhaupt aus diesem Schatten des Mannes heraustreten?  Frau kann, wenn Selbstbewusstsein und persönliche Stärke zu den Grundfesten gehören. Und das ist bei Christine Mann der Fall. Als zweitjüngste Tochter des Physikers Werner Heisenberg befasste sie sich schon früh mit dem Verhältnis von Physik und Theologie. Nach einigen Semestern Theologiestudium in Tübingen und Heidelberg wechselte sie allerdings zum Studium der Pädagogik und Psychologie und leitete schließlich eine Schulpsychologische Praxis. Dr. Christine Mann ist Lehrerin für Grund- und Hauptschulen, promovierte 1987 an der Universität Göttingen über Legasthenie-Prävention und erarbeitete dabei die Grundlage der jetzt in der Ausbildung vermittelten Legasthenie-Therapie. Die seit 1987 frei praktizierende Schulpsychologin erarbeitete verschiedene Bücher auf diesem Gebiet, die als bedeutende fachwissenschaftliche und praxisorientierte Ratgeber anzusehen sind.

Wenn also der Enkel des berühmten Schriftstellers Thomas Mann und die Tochter des nicht minder berühmten Physikers Werner Heisenberg gemeinsam ein Buch schreiben, macht das natürlich neugierig. Und dabei schwingen sie miteinander, auch wenn sie sich als Autorenpaar erst finden mussten. Beide interessiert seit langem die Arbeit des (Schwieger-) Vaters Heisenberg, beide finden es spannend zu sehen, wie komplex die Strukturen des Lebens geworden sind und wie sich das Bewusstsein im Laufe der Evolution entwickelt hat. Für sie ist die Welt nicht vollständig festgelegt. Die zugrunde gelegte, auch durch Heisenberg praktizierte Quantentheorie schafft demnach nicht nur für die Naturwissenschaft Möglichkeiten, sondern auch für die Ganzheitlichkeit der Weltsicht sowie das Menschenbild. Wir leben in einer materialistisch dominierten Welt und denken, dass alles festgelegt ist. Warum lässt sich manches aber nicht mit der Wissenschaft erklären? Stimmen unsere Wahrnehmung und unsere Beurteilung noch mit dem Stand der Wissenschaft überein? Entfaltet sich das Geistige, das Denken, mit dem schrittweisen Entstehen immer komplexer werdender Strukturen? Welche Chancen bietet das für die Zukunftsgestaltung?

Die Organisatoren von Herder liest laden recht herzlich zur Lesung und zum Dialog mit dem Autorenpaar Christine und Frido Mann ein. Wenn Sie an Philosophie, Lebensfragen und Physik interessiert sind, erwartet Sie am Mittwoch, dem 26.4.2017, ab 19.30 Uhr ein kurzweiliger Abend, der auch den beiden Persönlichkeiten prominenter Herkunft gerecht werden soll. Der Eintritt kostet 10 €, für Schüler und Studenten 2 €.

[Heike Roeder]